Kennt ihr die Automarke BAIC?
Ich selbst kannte sie lange nicht, bis ich bei einer städtischen Veranstaltung einen Stand mit diesem Namen gesehen habe. Ich bin sofort hingegangen und habe gefragt: „Was ist eigentlich BAIC?“
Zwei Tage später habe ich festgestellt, dass sich nur etwa 200 Meter von unserer Wohnung entfernt ein Autohaus dieser Marke befindet. Wahrscheinlich war es schon seit Monaten dort - ich habe es nur nie wahrgenommen.
Als ich dann auf dem Weg zur Arbeit an einer roten Ampel stand, tauchte natürlich auch dort eine BAIC-Werbung auf. Wahrscheinlich wurde sie genau an diesem Tag angebracht… ;)
Oder wer kennt nicht das Gefühl nach dem Autokauf, plötzlich zu denken:
„Oh, schau, hier ist auch ein Hyundai… und dort auch einer!“
Ist es nicht interessant, dass Dinge, die wir vorher kaum wahrgenommen haben, plötzlich überall zu erscheinen scheinen?
Unser Gehirn ist täglich einer enormen Menge an Informationen ausgesetzt: Geräusche, Farben, Menschen, Gedanken, Emotionen, Werbung, Erinnerungen - alles gleichzeitig. Wenn wir all diese Reize bewusst verarbeiten müssten, wäre unser Nervensystem sehr schnell überlastet. Deshalb filtert unser Gehirn ständig: Es entscheidet, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten und was im Hintergrund bleibt. Dieser Prozess wird als selektive Aufmerksamkeit bezeichnet.
Worauf wir unseren Fokus richten, nehmen wir anschliessend häufiger wahr. Nicht, weil es objektiv mehr geworden ist, sondern weil unser Gehirn ihm eine höhere Bedeutung zuweist.
Das gilt nicht nur für äussere Dinge oder Marken, sondern auch für unsere Gedanken und Gefühle. Wenn wir uns ständig auf unsere Fehler konzentrieren, finden wir immer mehr Beweise dafür, dass wir „nicht gut genug“ sind. Wenn unser Fokus dauerhaft auf Problemen liegt, kann sich das Leben schnell schwer und belastend anfühlen.
Was aber passiert, wenn wir beginnen, auch die andere Seite bewusst wahrzunehmen? Kleine positive Aspekte, Möglichkeiten oder unterstützende Beziehungen? Dann erhalten auch diese zunehmend Raum in uns und werden präsenter.
Das bedeutet nicht, Schwierigkeiten zu ignorieren oder immer positiv denken zu müssen. Vielmehr geht es darum zu erkennen, dass unsere Aufmerksamkeit massgeblich bestimmt, wie wir unsere Realität innerlich erleben.
Oft ist nicht die Frage, was in unserem Leben vorhanden ist, sondern womit wir unsere Aufmerksamkeit täglich nähren.
„Die Aufmerksamkeit gibt dem Leben eine Richtung.“

Vielleicht ist es genau deshalb so wichtig, sich immer wieder die Frage zu stellen:
Worauf richte ich meine Aufmerksamkeit gerade wirklich?
Und führt mich diese Richtung eher aufbauend oder eher erschöpfend durch mein Leben?
Es ist mir auch wichtig zu betonen, dass es hierbei nicht darum geht, sich ausschliesslich auf das „Positive“ zu konzentrieren oder die Aufmerksamkeit dauerhaft bewusst in eine bestimmte Richtung zu lenken.
Ich glaube, ebenso wichtig ist es zu erkennen, wenn etwas fehlt, wenn etwas nicht so läuft, wie wir es uns wünschen, oder wenn wir nach etwas Tieferem verlangen. Auch diese Erfahrungen gehören zum Leben und tragen wichtige Botschaften in sich.
In solchen Momenten wird die Rolle des Fokus besonders deutlich: nicht als Verdrängung, sondern als Werkzeug der Bewusstwerdung und Orientierung. Was möchte mir diese Situation zeigen? Wozu lädt sie mich ein? Was kann ich daraus mitnehmen, das mich stärkt und weiterbringt?
Ebenso wichtig ist es, negative Gefühle nicht zu unterdrücken oder sie sofort durch positive Gedanken ersetzen zu wollen. Das Erleben, Wahrnehmen und Verarbeiten von Emotionen ist ein wesentlicher Bestandteil persönlicher Entwicklung.
Die eigentliche Frage liegt vielmehr im Gleichgewicht. Wohin neigt sich die Waage? In welche Richtung verlagert sich das Gewicht meiner Aufmerksamkeit? Welche Muster, Gedanken und Erfahrungen nehmen den grössten Raum in meinem Leben ein?
Und vielleicht eine der wichtigsten Fragen lautet: Kann ich das, was sich heute schwer anfühlt, mit der Zeit so verarbeiten und transformieren, dass es nicht nur Belastung bleibt, sondern auch zu Erkenntnis, Ressource und innerer Stabilität wird?
Denn es geht nicht immer darum, alles „positiv“ zu machen, sondern darum, was wir integrieren, verstehen und so mitnehmen können, dass es uns letztlich stärkt und formt.
Abschliessend möchte ich euch eine Frage mitgeben:
Und wohin neigt sich deine innere Waage gerade?