Früher war ich fest davon überzeugt – und habe es auch sehr oft wieder gesagt –, dass ich kein Talent für Sprachen habe. Heute spreche ich fünf Sprachen, von denen ich vier fast täglich nutze. Hätte ich wichtige Entscheidungen in meinem Leben immer nach dem Bild getroffen, das ich damals von mir selbst hatte, wäre ich wahrscheinlich nie so weit gekommen. Und wer weiss, wohin mich mein Weg noch führen wird...
Wenn unsere inneren Bilder unser Leben tatsächlich so stark beeinflussen – wie können sie dann flexibler werden?
Viele denken dabei sofort an positives Denken. Doch Veränderung bedeutet weit mehr, als sich einzureden, dass alles gut ist. Sie beginnt vielmehr damit, die eigenen inneren Muster wahrzunehmen.
Im Laufe unseres Lebens gelangen wir immer wieder an Weggabelungen. An Momente, in denen wir entscheiden können, ob wir den vertrauten Weg weitergehen oder eine neue Richtung einschlagen. Bisher haben wir auf bestimmte Situationen immer wieder ähnlich reagiert, entsprechend gehandelt und Entscheidungen getroffen. So entstehen mit der Zeit unsere gewohnten Muster. Wenn wir jedoch merken, dass uns ein immer wiederkehrendes Muster inzwischen eher einschränkt als unterstützt, lohnt es sich, einen Moment innezuhalten und sich zu fragen: Ist das, was ich über mich selbst oder über die Welt glaube, wirklich immer wahr?
Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass starre innere Bilder nicht unsere Gegner sind. Sie sind nicht entstanden, weil mit uns etwas nicht stimmt. Im Gegenteil: Meist hatten sie ursprünglich eine wichtige Funktion. Wenn jemand beispielsweise die Überzeugung in sich trägt: „Ich darf keine Fehler machen.“, dann kann dieses Bild aus früheren Erfahrungen mit Kritik, Ablehnung oder Bestrafung entstanden sein. Damals half es, sich an die Umgebung anzupassen und Sicherheit zu gewinnen. Das Problem liegt daher nicht in seiner Entstehung. Es entsteht erst dann, wenn dieses Bild viele Jahre oder sogar Jahrzehnte später unverändert bestehen bleibt – obwohl wir es längst nicht mehr brauchen.
Versuchen wir lediglich, ein solches Bild zu widerlegen, entsteht dadurch meist noch keine wirkliche Veränderung. Wer über lange Zeit tief in sich den Satz trägt: „Ich bin nicht gut genug.“, wird diese Überzeugung kaum durch einen einzigen positiven Gedanken verändern. Genauso wenig reicht es aus, sich einzureden: „Doch, ich bin wichtig.“, wenn man sich über Jahre hinweg innerlich unwichtig gefühlt hat. Tief verankerte innere Bilder verändern sich nur selten durch logische Argumente allein.
Die Veränderung beginnt vielmehr mit einem Moment des Erkennens. Mit dem Augenblick, in dem wir bemerken, dass gerade wieder dasselbe vertraute Bild in uns aktiv geworden ist. Allein das ist bereits ein wichtiger Schritt. Denn zum ersten Mal verschmelzen wir nicht vollständig mit diesem Bild, sondern können es beobachten. Vielleicht entsteht dann ein einfacher Gedanke: „Interessant – ich betrachte diese Situation gerade wieder durch denselben alten Filter.“
Von dort führt der nächste Schritt zu einer entscheidenden Frage. Starre innere Bilder kennen keine Ausnahmen. Deshalb kann es hilfreich sein, sich zu fragen: "Ist das wirklich immer so? Kann man wirklich niemandem vertrauen? Scheitere ich tatsächlich jedes Mal? Trifft das wirklich auf jede Situation zu? Oder gibt es vielleicht doch Ausnahmen?"
Genau diese Ausnahmen können der erste kleine Riss in einer bisher starren Sichtweise sein. Jede Ausnahme eröffnet eine neue Möglichkeit, eine neue Perspektive und eine neue Erfahrung. Die meisten starren inneren Bilder sind durch viele ähnliche Erlebnisse entstanden. Deshalb verändern sie sich meist auch nur durch neue Erfahrungen. Wer beispielsweise tief in sich das Bild trägt: „Ich bin nicht liebenswert.“, kann bewusst beginnen, jene Momente wahrzunehmen, die etwas anderes zeigen. Beziehungen, in denen Wertschätzung spürbar wird. Rückmeldungen, die Anerkennung ausdrücken. Erfahrungen von Verbundenheit. Erfolge. Oder andere reale Erlebnisse, die nicht mehr zur alten Geschichte passen.

Oft halten wir an unseren vertrauten Bildern fest, weil sie uns ein Gefühl von Sicherheit geben – selbst dann, wenn sie uns gleichzeitig begrenzen. Denn jede Veränderung bringt auch ein Stück Unsicherheit mit sich. Flexibilität bedeutet jedoch nicht, alle bisherigen Überzeugungen aufzugeben oder die eigene Vergangenheit abzulehnen. Sie bedeutet vielmehr, offen für neue Informationen zu bleiben und neuen Erfahrungen Raum zu geben. Wir tauschen unsere inneren Bilder nicht einfach aus. Wir beginnen, ihnen mit Neugier zu begegnen. Und wenn wir uns immer wieder fragen, ob sie tatsächlich uneingeschränkt gelten, während wir gleichzeitig offen für neue Erfahrungen bleiben, können selbst Bilder, die lange unveränderlich erschienen, allmählich ihre Form verändern.
Denn manchmal verändert sich nicht zuerst unser Leben. Sondern das Bild, durch das wir unser Leben betrachten.
Und wenn sich dieses Bild verändert, erweitern sich oft auch unsere Möglichkeiten.